Im Gespräch mit Alison
Alison Spence Montillet ist Englischlehrerin in der Schweiz. Sie unterrichtet Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren und setzt dabei auf interaktive Methoden, darunter Content and Language Integrated Learning (CLIL).
Ursprünglich stammt sie aus Australien. Sie studierte Bildende Kunst und Museumswissenschaften und arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte lang in Galerien, Bibliotheken, Archiven und Museen, darunter auch im National Museum of Australia. Heute bringt sie ihre Museumserfahrung in den Sprachunterricht ein. Besonders interessiert sie sich dafür, wie Sammlungen und Geschichten helfen können, den Wortschatz zu erweitern und Kindern neue Themen zu eröffnen, über die sie sprechen können.

Wenn du Englischunterricht planst: Was bringt dich dazu, über das Lehrbuch hinauszugehen? Was muss zusätzliches Material mitbringen, damit du es im Unterricht einsetzt?
Für mich ist das Lehrbuch ein guter Ausgangspunkt. Dort lernen Schülerinnen und Schüler neue Wörter und Grammatik kennen. Oft habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass Kinder mehr lernen, wenn sie das Gelernte mit ihrem eigenen Alltag verknüpfen können. Dinge aus ihrem Zuhause, ihrem Freundeskreis, ihren Lieblingsbeschäftigungen oder vertraute Alltagsgegenstände machen neue Wörter greifbarer und helfen Kindern, sie besser im Gedächtnis zu behalten.
Wenn ich zusätzliches Material auswähle, soll es Kindern einen Grund geben, aktiv mitzumachen. Es sollte ihre Neugier wecken, sie dazu anregen, die Sprache zu verwenden, und Lernen idealerweise als etwas Spannendes statt als eine weitere Übung erlebbar machen. Viele Kinder nutzen digitale Werkzeuge ganz selbstverständlich. Deshalb habe ich die Erfahrung gemacht, dass interaktive Quiz und Aktivitäten eine gute Möglichkeit sind, das Interesse der Kinder zu wecken. Gleichzeitig regen sie Kinder dazu an, nachzudenken, Verbindungen herzustellen und die Sprache aktiv anzuwenden, anstatt neue Wörter nur auswendig zu lernen.
Wie bist du zum ersten Mal auf das Digital Museum of Learning aufmerksam geworden, und was hat dich denken lassen: „Das kann ich im Unterricht einsetzen“?
Auf das Digital Museum of Learning bin ich gestossen, als ich nach CLIL-Materialien gesucht habe, die mit Museumsobjekten arbeiten. Ich habe mich sehr gefreut, das Online-Museum zu entdecken, weil es eine grosse Auswahl an kostenlosen Materialien bietet, die von allen genutzt werden können.
Zuerst habe ich mir etwas Zeit genommen, die Plattform zu erkunden und herauszufinden, welche Geschichten und interaktiven Angebote sich für die Englischstufen eignen, die ich unterrichte. Danach begann ich, einzelne Geschichten und Aktivitäten aus dem Unterrichtsportal für meinen eigenen Unterricht anzupassen.
Die erste Geschichte, die ich ausprobiert habe, war „Kannst du die Kleiderordnung umgehen?“. Ich habe sie mit einer kleinen Gruppe von Kindern getestet. Dabei wurde mir klar, dass das Digital Museum of Learning eine hervorragende Möglichkeit bietet, Musumsobjekte und Geschichten in den Englischunterricht einzubinden.

Ein Lehrbuch kann Wörter für Kleidung, Essen oder den Klassenraum vermitteln. Eine Museumssammlung bringt Kinder mit neu Objekten, Orten und Geschichten in Kontakt. Verändert sich das Sprachenlernen, wenn das Thema selbst unbekannt ist?
Wenn ich ein unbekanntes Thema oder ein ungewohntes Objekt vorstelle, frage ich die Schülerinnen und Schüler zunächst, was sie glauben, vor sich zu haben. Es ist für mich völlig in Ordnung, wenn sie dabei ein oder zwei Wörter in ihrer Muttersprache verwenden. Wichtig ist, dass sie ins Gespräch kommen und sich trauen, ihre Ideen zu teilen und Fehler zu machen.
Ein unbekanntes Objekt gibt Kindern ausserdem einen Grund, Englisch zu sprechen. Sie stellen Fragen, beschreiben, was sie sehen, ziehen Verbindungen zu Dingen, die sie bereits kennen, äussern ihre Meinung und überlegen gemeinsam, was etwas bedeuten könnte. Die Sprache wird dadurch zu einem Werkzeug, mit dem sie etwas erkunden können, das sie neugierig macht, statt einfach nur Vokabeln oder Grammatik aus dem Lehrbuch zu üben.
Wenn eine Schülerin oder ein Schüler noch keine Frage oder Antwort auf Englisch formulieren kann, bitte ich sie oder ihn, einfach ein einziges Wort zu nennen, das mit dem Objekt oder Thema zusammenhängt. Gemeinsam entwickeln wir daraus ein Wortnetzwerk und bauen die Ideen Schritt für Schritt zu ganzen Sätzen aus. So erleben die Kinder, dass sie etwas beitragen können, auch wenn ihnen noch nicht alle englischen Wörter zur Verfügung stehen.
Du hast beschrieben, wie du die Geschichte „Kannst du die Kleiderordnung umgehen?" genutzt hast, um Wortschatz rund um Kleidung aufzubauen, diesen mit Adjektiven zu erweitern und anschliessend Schulkleidung in verschiedenen Ländern zu thematisieren.
Wie lief diese Unterrichtseinheit konkret ab? Was haben die Kinder als Erstes gemacht, und wie ging es dann weiter?
Du unterrichtest Englisch in einem mehrsprachigen Umfeld in der Schweiz. Greifen Kinder auf Sprachen zurück, die sie bereits kennen, wenn sie neue englische Wörter verstehen, lernen oder verwenden? Wie zeigt sich das im Unterricht?
Auf jeden Fall. In einem mehrsprachigen Umfeld nutzen Kinder oft die Sprachen, die sie bereits sprechen, manchmal ohne es überhaupt zu merken. Besonders deutlich sehe ich das, wenn sie versuchen, die Bedeutung eines neuen englischen Wortes herauszufinden. Oft sind sie erstaunt, wenn ein Wort im Deutschen oder Französischen sehr ähnlich klingt oder sogar genau gleich ist.
Ein Kind, das Französisch spricht, erkennt zum Beispiel schnell die Ähnlichkeit zwischen dem englischen Wort important und dem französischen important. Selbst wenn die Wörter nicht exakt übereinstimmen, kann eine solche Ähnlichkeit ein hilfreicher Ausgangspunkt sein, um die Bedeutung eines neuen Wortes zu verstehen.
Kinder nutzen ihre anderen Sprachen auch, um sich neue Wörter besser zu merken. Sie stellen Verbindungen zwischen englischen, deutschen oder französischen Wörtern her, übersetzen im Kopf oder erklären einem anderen Kind die Bedeutung in einer Sprache, die beide verstehen. Manchmal hört man sogar mehrere Sprachen in einem einzigen Gespräch, während die Kinder gemeinsam herausfinden, was ein Wort bedeutet.
Das finde ich besonders spannend, weil Mehrsprachigkeit beim Englischlernen nicht etwas ist, das man beiseiteschieben muss. Im Gegenteil: Die Sprachen, die Kinder bereits sprechen, können ihnen dabei helfen, eine weitere Sprache zu lernen und neue Wörter langfristig im Gedächtnis zu behalten.
Von rund 300 auf über 40'000 Wörter
In der neuen Geschichte des Digital Museum of Learning wird beschrieben, dass ein Kind im Alter von etwa zwei Jahren rund 300 Wörter kennt und bis zum Ende der Schulzeit einen Wortschatz von mehr als 40'000 Wörtern erreichen kann.
Wenn du dieses Wachstum des Wortschatzes betrachtest: Was interessiert dich daran als Sprachlehrerin besonders?
Mich interessiert vor allem, dass Wortschatzentwicklung nicht einfach bedeutet, immer mehr Wörter zu lernen. Es geht darum, Verbindungen zwischen Wörtern, Erfahrungen und Ideen aufzubauen.
Als Lehrerin interessiert mich besonders, wie ein Wort den Weg von der Wiedererkennung zur aktiven Verwendung findet. Ein Kind erkennt ein Wort vielleicht wieder, wenn es es hört oder in einer Geschichte liest. Das bedeutet aber noch nicht, dass ihm das Wort auch einfällt, wenn es es braucht. Dazwischen liegt ein schrittweiser Prozess des Wahrnehmens, Verstehens, Erinnerns und schliesslich des selbstständigen Gebrauchs.
Wichtig ist auch, sich bewusst zu machen, wie viel Sprache Kinder ausserhalb des Klassenzimmers aufnehmen. Die Schule ist nur ein Teil ihrer Sprachwelt. Neue Wörter begegnen ihnen in Büchern, Gesprächen, Fernsehsendungen, Spielen, im Internet, auf Schildern, in Museen und im Alltag. Jede dieser Begegnungen kann eine weitere Verbindung schaffen.
Für mich zeigt sich hier, wie wichtig der Kontext ist. Lernt ein Kind ein neues Wort isoliert, fällt es ihm oft schwer, es sich zu merken. Begegnet es dem Wort jedoch in einer Geschichte, verbindet es mit einem Bild, verwendet es in einem Gespräch und trifft einige Tage später erneut darauf, wird dieses Wort allmählich Teil eines viel grösseren Netzwerks.
Wenn Kinder einem neuen englischen Wort begegnen: Was hilft ihnen dabei, von der Wiedererkennung bis zur aktiven Verwendung zu gelangen? Auf welche Methoden greifst du in deinem Unterricht immer wieder zurück?
Für mich sind wiederholte Begegnungen mit einem Wort in unterschiedlichen Zusammenhängen besonders wichtig. Ein Wort nur einmal zu sehen, reicht meist nicht aus, damit es Teil des aktiven Wortschatzes eines Kindes wird. Kinder müssen ihm immer wieder begegnen und es selbst verwenden können, idealerweise in verschiedenen Situationen und bei unterschiedlichen Aktivitäten.
Mit jüngeren Kindern arbeite ich deshalb oft mit Bildern, Bewegungen, Geschichten und Spielen. Sie helfen dabei, neue Wörter mit etwas Konkretem zu verbinden. Wenn wir zum Beispiel die Wörter enormous oder big lernen, stelle ich ihnen small gegenüber und lasse die Kinder den Unterschied mit ihrem Körper darstellen. Später begegnen sie enormous vielleicht in einer Geschichte, beschreiben ein besonders grosses Tier oder einen Gegenstand und verwenden das Wort schliesslich in einem eigenen Satz.
Ausserdem finde ich es wichtig, bereits bekannte Wörter immer wieder aufzugreifen. Statt ständig neue Wörter einzuführen, sollte man ältere Wörter regelmässig ins Gedächtnis zurückholen. Eine kurze Frage zu Beginn der Lektion, ein Zuordnungsspiel, ein Bild als Gesprächsanlass oder die Aufforderung, sich an Wörter aus der Vorwoche zu erinnern, können dabei nützlich sein.
Ein weiterer Ansatz ist, Wörter mit den eigenen Erfahrungen der Kinder zu verknüpfen. Kinder erinnern sich eher an ein Wort, wenn sie einen Grund haben, es zu verwenden. Die Frage „Welches ist das grösste Tier, das du je gesehen hast?“ gibt ihnen die Möglichkeit, Wörter wie biggest oder enormous mit etwas aus ihrem eigenen Leben zu verbinden.
Nicht zuletzt denke ich, dass Lesen eine ganz wichtige Rolle spielt. Wenn Kinder einem Wort immer wieder in verschiedenen Geschichten und Zusammenhängen begegnen, lernen sie mehr als nur seine Übersetzung. Sie beginnen zu verstehen, wie es mit anderen Wörtern zusammenhängt und in unterschiedlichen Situationen verwendet wird.

Wie lernen wir neue Wörter?
Die Geschichte „Wie lernen wir neue Wörter?“, wurde von Alison Spence Montillet geschrieben. Sie entstand in Zusammenarbeit mit Professor Natalia Ingebretsen Kucirkova und wurde unabhängig von Dr Rachel Romeo geprüft. Die Geschichte verbindet historische Objekte mit Strategien zum Wortschatzlernen, interaktiven Elementen und Materialien für den Unterricht.
Wenn eine Lehrperson morgen die Geschichte „Wie lernen wir neue Wörter?“ im Unterricht nutzen möchte: Wo würdest du den Einstieg empfehlen, und wie könnte sie mit den verschiedenen Teilen der Geschichte arbeiten?
Ich würde auf jeden Fall mit dem Quiz am Anfang beginnen, denn allein dort stecken schon viele Lernmöglichkeiten. Die Kinder können über die Zeichnungen sprechen, sich die Aussprache von Wörtern anhören und deren Bedeutung verstehen. Die meisten Wortbeschreibungen enthalten zudem Fragen, die zu weiteren Gesprächen anregen.
Im Abschnitt mit den Drag-and-Drop-Sätzen können Lehrpersonen auch die falschen Antworten besprechen und gemeinsam mit den Kindern überlegen, welche ähnlichen oder gegensätzlichen Wörter stattdessen in die Sätze passen würden. Ausserdem gibt es im Ressourcenbereich zwei Arbeitsblätter, die sich auf das Quiz beziehen. Allein dieser Teil könnte eine ganze Unterrichtsstunde füllen.

Wenn du dir ein Thema für eine zukünftige Geschichte des Digital Museum of Learning aussuchen könntest, die du mit deinen Englischlernenden einsetzen würdest: Welches wäre das, und welche Gespräche würdest du dir davon erhoffen?
Es gibt viele Themen, die ich spannend fände, aber ich würde mich für Wetter und Jahreszeiten entscheiden. Damit lassen sich Veränderungen im Jahresverlauf, die unterschiedlichen Klimazonen auf der Nord- und Südhalbkugel, die Entstehung der Jahreszeiten, saisonale Feste und Speisen sowie der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Umwelt thematisieren.
Die Gesprächsmöglichkeiten wären nahezu unbegrenzt. Sie reichen von allgemeinen Gesprächen über Wetter und Klima über saisonales Obst und Gemüse bis hin zu globalen Themen wie schmelzenden Gletschern, Überschwemmungen und Dürren. Gleichzeitig bietet das Thema viele Anknüpfungspunkte zur Umwelt, die die Kinder in ihrem Alltag erleben.






